Gedanken zur Loveparade
Es ist mal wieder faszinierend wenn man Hobbypsychologen im Internet Gehör schenkt. Jeder sollte die Tragödie von Samstag ja mitbekommen haben, die sich auf der Loveparade zugetragen hat. Und vielen ist offenbar gar nicht bewusst was eine Massenpanik ist und wie sie entsteht.
Die einen schreiben es war wegen der Drogen, die anderen schreiben weil über Absperrungen geklettert wurde, der nächste weiß ganz genau das es an der Rücksichtslosigkeit der Menschen lag usw.
Egal ob da Drogen im Spiel waren oder nicht. Ich persönlich weiß, wie schnell man total unerwartet, ganz nüchtern, in Panik geraten kann.
Ich war in einem U-Boot Museum und habe dort ein U-Boot von innen besichtigt. Wir sind eine ganze Weile da drin rumge"laufen" (wenn man es denn laufen nennen kann, in dem niedrigen Dingern). Und aus heiterem Himmel überkam mich ein beklemmendes Gefühl und ich habe angefangen Platzangst zu bekommen. Zum Glück waren wir aber allein und konnten direkt wieder raus. Hätten dort Leute im Weg gestanden, wäre das Gefühl garantiert extrem geworden, so hätte ich diese Leute, über kurz oder lang sicherlich einfach weggeschubst um da rauszukommen, aus Angst umzukippen.
Von daher ist es garantiert ganz einfach, wieso es zu der Massenpanik kam. Ersteinmal hiess es, das Veranstaltungsgelände wäre noch gar nicht voll gewesen, sondern die Leute wären nicht weiter gegangen und hätten sich vorne gestaut. Das wurde in manchen Medien sehr "beschuldigend" betont. Die Frage ist aber hierbei, wenn man selbst da vorne steht, ob man das überhaupt merkt, dass man dann auch weitergehen würde… und die letzten die reinkommen, die können ja nicht weiter, weil alles versperrt ist. Nun wissen das ja aber die Leute nicht, die in den Tunnel gehen. Diese gehen also durch und kommen irgendwann an die Absperrung, die geschlossen wurde, weil man niemanden mehr aufs Gelände lassen konnte. Von hinten kommen aber weitere Leute, da ja niemand weiß das man ganz vorne nicht weiterkommt (und wer die Loveparade kennt, weiß auch das es nicht unüblich ist, dass man an solche Massen kommt und da stehen muss). Und nun sollen die Leute vorne zurückgehen, können sie aber nicht, weil immer mehr Leute von hinten herankommen. Automatisch entsteht ein Quetschen. Und das verursacht ein Panikgefühl (ich war selbst damals noch in Berlin auf der Loveparade und bin bei der Abschlusskundgebung extra weiter nach hinten gegangen, weil ichs davorn gar nicht ausgehalten habe). Und in Panik werden Menschen unberechenbar, denn sie denken nicht, sie handeln. Nun fangen sie an zu drängeln, zu schubsen, zu klettern usw. Das ist uns angeboren, da kann man Einzelnen gar nicht die Schuld geben. Wenn man auf den Videos und Bildern sieht, wieviele Menschen dort standen und wie eng es war, verwundert es auch nicht das Menschen totgetrampelt wurden, denn wer da umfällt kommt gar nicht wieder hoch und die anderen können sich nicht mal bücken, ohne selber umzufallen. Und man selbst wird einfach in der Masse hin und hergeschoben, ohne sich wirklich bewegen zu können. Die Leute die irgendwie an den Rand kommen, versuchen natürlich irgendwie (und wenns durch klettern ist) da wegzukommen.
Die Polizisten direkt vor und in der Masse, den wird es nicht anders gegangen sein. Sie werden klare Anweisungen bekommen haben, die sie auch versucht haben durchzuführen. Fraglich wird es erst dann, wenn man Videos sieht, wo nach dem Vorfall weiterhin Leute in den Tunnel gelassen wurden, aus beiden Richtungen. Fraglich ist auch, wieso man im Netz einige Beiträge und Kommentare in Blogs und Youtube lesen kann, die 4-5 Tage vor der Loveparade entstanden und wo immer wieder die Frage gestellt wird, ob das Gelände nicht viel zu klein ist und ob das nicht gefährlich wäre.
Fest steht für mich, die Veranstalter und die Stadt Duisburg können nicht schuldfrei sein. Zu behaupten man habe nicht mit sovielen Menschen gerechnet und zu behaupten es waren nur etwas über 100.000 Leute, ist lächerlich, wenn man die Videos sieht und wenn man drüber nachdenkt das die Loveparade in den letzten Jahren immer über eine Million Besucher hatte. Da frage ich mich dann auch, wer auf die glorreiche Idee kam, ein Gelände zu nutzen, dessen einziger Zugang ein Tunnel ist. Es sieht hier mal wieder so aus, als hätte jemand nur die Dollarzeichen im Auge gehabt.
