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Hilfe! Ich bin Killerspieler!

Ja, ich spiele “Killerspiele”. Ich hasse diesen Begriff, da er so extrem negativ belastet ist, und da er erfunden wurde von Leuten die in einer kranken Welt zu leben scheinen. Warum kranke Welt? Ganz einfach, weil diese Menschen meinen, man würde durch gewalttätige Spiele, im realen Leben einen Drang zum töten entwickeln und die eigene Hemmschwelle dazu senken. Wenn also ein Politiker dieses Empfinden hat, sollte er vielleicht schnell in psychatrische Behandlung gehen, denn offenbar scheint etwas nicht mit ihm zu stimmen.

Was mich extrem nervt ist die Art wie Spieler in Interviews immer die selbe Sache antworten, um sich als Spieler solcher Spiele zu rechtfertigen: “Wir spielen Killerspiele nicht weil man da wen erschiesst, sondern wegen der taktischen Herausforderung.”

Blah.. Natürlich ist dieses auch ein Grund, aber man spielt es auch weil man dort auf irgendwas schiesst (oder ist die Rambo-Filmereihe so berühmt, weil man dort die taktischen Fähigkeiten eines Elitekämpfers beobachten konnte? Oder wegen der hochkomplexen Handlung?). Ja verdammt, ich habe Spaß daran mit einer Computerwaffe auf Computerfiguren zu schiessen und wenn man einen Arm abschiessen kann dann finde ich das amüsant. Das heisst aber noch LANGE nicht, dass ich es toll fände so etwas in echt zu sehen. Im Gegenteil… von echtem Blut wird mir sogar schlecht. Ich kann nichtmal hinsehen wenn man mir Blut abnimmt, da ich sonst käseweiss werde und mein Blutdruck abfällt.

Meine Tante hat mich mal gefragt warum ich so etwas spiele und was es mir bringt. Meine Tante liest übrigens Stephen King Romane und die sind ja nicht grade berühmt für romantische Jugendgeschichten. Sie ist der Meinung, ein Buch wäre bei weitem nicht so schlimm wie ein Spiel. Wobei ein Roman schon extrem brutal sein kann, viel brutaler als jedes Spiel, welches ich kenne. Sie meint, es wäre aber ja nur Text, und der Rest findet im Kopf statt. Da frage ich mich nun ob das denn besser ist? Wenn ich sehe wie eine Computerfigur tot zu Boden fällt, oder wenn ich meine Fantasie bemühen muss(und das dann noch realistisch schaffe), mir vorzustellen wie jemanden die Bauchdecke aufgeschlitzt wird und ihm die Eingeweide herausrutschen(eine übliche Szene aus einem Stephen King Roman).

Also habe ich mir einmal Gedanken darüber gemacht, warum ich solche Spiele spiele. Ich habe niemals darüber nachgedacht, dass man jemanden tötet und dass dort jemand stirbt, denn es ist nicht so. Erst nachdem diese “Killerspiel” Debatten angefangen haben, hat man selbst über sowas nachgedacht. Ich bin aber mit Doom und Wolfenstein groß geworden. Ja ich habe diese Spiele sogar als Kind gespielt. Ich habe mit unter 10 Jahren schon am C64 die brutalsten Spiele gespielt, denn als ich in dem Alter war, da haben Eltern über sowas noch gar nicht nachgedacht. Dazu muß man sagen, dass natürlich die Grafik auch nicht im Ansatz so gut war, aber auch als Doom erschien war ich noch sehr jung und habe es gespielt.

Worauf ich hinaus will ist also, ich bin mit “Killerspielen” groß geworden und für mich sind sie nichts anders als ein interaktiver Film, so wie ein Film ein visuelles Buch sein könnte. Es ist für mich ganz natürlich zwischen einem Spiel und der Realität zu unterscheiden, so wie es für meine Tante ganz normal ist, zwischen einem Buch und der Realität zu unterscheiden(und dabei sei erwähnt, dass es ganz früher auch die selben Diskussionen über Bücher gab, wie es sie später über Filme gab und heute über Computerspiele). Für mich war das auch nie ein Thema mit dem ich mich hätte auseinandersetzen müssen. In den meisten Fällen spielt man ja auch eine Story und genau die hält einem an dem Spiel. Es gibt natürlich auch Spiele ohne große Story wo man einfach nur rummetzelt. Allerdings sind diese Spiele auch nicht bekannt dafür besonders beliebt zu sein, denn der Spielspaß ist nach kurzer Zeit meist verflogen. Wenn man nun also ein Call of Duty oder sowas spielt, dann spielt man es um in einer Geschichte voranzukommen und in einem Kriegsspiel gehört es nunmal dazu als Soldat andere zu erschiessen. Oder kennt jemand einen “Anti-”Kriegsfilm wo am D-Day die Soldaten fröhlich, am Strand, eine Sandburg bauen?

Natürlich machen Spiele manchmal aggressiv. Nämlich dann wenn man immer verliert und man anfängt zu frustrieren. Das ist allerdings kein “Killerspiele” Phänomen, sondern beginnt schon mit dem Spiel “Mensch ärger dich nicht”, dessen Titel dies sogar schon aussagt.

Dazu gibt es dann auch Multiplayershooter, die ohne Story und wirklichem taktischen Teamplay daherkommen und auch diese sind relativ beliebt. Warum? Weil man jemanden töten darf? Nein ganz sicher nicht, denn es ist kein töten, das kann man gar nicht oft genug betonen. Es ist ein Wettkampf zwischen mir und anderen Spielern, man versucht mehr Punkte zu bekommen, besser zu sein, als alle anderen. Wieso aber mit Waffen auf andere Spieler schiessen? Auch ganz einfach. Wer hätte denn Lust auf ein Autorennen mit Tretrollern, damits kein Unfall gibt? Also einfach damits Spaß macht. Wenn man sich mit Bällen abwerfen müsste, statt mit Waffen abschiessen, wäre so ein Spiel sehr sehr albern. (obwohl es sowas auch gibt :D)